Über meine Arbeit im Büro gibt es nicht viel zu erzählen. Ich bereite den Deutschkurs vor, der in der zweiten Novemberwoche starten wird. Heute war ich unterwegs, die Plakate dafür aufhängen. Über den Samstag hingegen kann ich etwas mehr schreiben:
Es zog Lalo und mich wieder nach Itzapa, dem schönen, ruhigen Bergdorf mit der noch schöneren Landschaft und einfach netten und fleißigen Leuten, die mich schon beim ersten Besuch beeindruckt haben. Wir waren zu einem Waldaufbereitungsprojekt der örtlichen Kolpingjugend eingeladen. Ein Stück Wald, das dem ganzen Dorf gehört, soll sinnvoll genutzt werden. Bisher wuchsen da nur kleinere Bäume und Sträucher, die wohl keinen großen Sinn erfüllten. Ich nenne es mal großes Unkraut. Die Jugendlichen haben 119 Piniensprösslinge gesammelt, die jetzt also diese Waldfläche aufwerten sollten.
Warum Pinien? Das Pinienholz wird für alle möglichen Holzarbeiten benutzt. Sei es für einen Hausbau oder für Möbel. Sie wachsen relativ schnell. Außerdem ist die Erde dort in den Bergen etwas "unruhig"; es gibt öfters Erdrutsche. Der Klimawandel, der in die Region stärkere Regenfälle bringt, verstärkt dieses Phänomen. Die Pinien dienen hier durch ihr Wurzelwerk auch zur Stabilisierung.
Morgens, auf dem Hinweg, stand einfach so ein Stier auf der Straße. Immerhin ist das Kolpingauto nicht rot, aber Lalo hatte trotzdem ziemliche Bedenken, an dem Stier vorbeizufahren - auch wenn es platzmäßig gerade so hingehauen hätte. Ihm war die Gefahr zu groß, dass das Tier wütend wird und angreift. Das Problem war allerdings, dass wir irgendwie an diesem Viech vorbei mussten, es half nichts. Nachdem zwei örtliche Frauen zu Fuß ohne bedenken an uns vorbei weitermarschierten, fuhren wir schließlich auch dran vorbei und der Stier blieb glücklicherweise ruhig. Aber es war schon lustig einfach einen angebundenen Stier auf der Straße zu sehen... Wer macht sowas denn?
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| Ein paar Leute beim roden |
Nachdem wir den Stier fast schon wieder vergessen hatten, kamen wir also in Itzapa an. Es war noch Tau an den Blättern, und es war ordentlich kalt. Nach und nach kamen die Jugendlichen; aber auch die Kolpingsfamilie im Dorf und einige andere Leute kamen zum mithelfen. Als alle beisammen waren (ich denke es waren zwischen 20 und 30), gab es was typisch mexikanisches zu Essen, man muss ja Kräfte sammeln. Dann ging es los, erstmal ein wenig wandern durch die Felder und Wälder Itzapas. Als wir ankamen wurden schnell die Aufgaben verteilt, dann fing die eigentliche Arbeit an.
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| Das wurde der Maßstamm |
Ein Teil des Waldstückes war schon gerodet, ein Teil fehlte aber noch. Also machten sich viele Leute mit ihren Buschmessern daran, die Büsche und Bäumchen mit ein paar Hieben zu kürzen. Ein dünner Baumstamm wurde ausgemessen, er galt als Distanzgeber für die einzelnen Sprösslinge. Diese wurden dann natürlich eingepflanzt. Der Abstand Betrug etwa 15 Meter, die Bäume brauchen ja Platz, da kommt ein ordentliches Gebiet für 119 Sprösslinge zusammen. Übrigens wurde das gefällte Holz und Grünzeug liegen gelassen, damit nicht so schnell andere Pflanzen kommen die den Pinien Licht, Wasser oder Nährstoffe wegnehmen könnten.
Ich hab geholfen wo ich konnte, mal ein paar Bäumchen pflanzen, mal mit dem Buschmesser drauf los hauen. Naja... ich glaube, ich bin nicht der geschaffene Buschmessertyp. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Und Fotos gemacht habe ich natürlich auch.
Nach getaner Arbeit ging es zurück, und zum Abschluss wurde nochmal zusammen draußen gegessen. Um 19 Uhr war ich wieder zu Hause. Das ganze war anstrengend, aber schön, es war neu und gut, die Leute in Aktion zu sehen und auf irgendeine Weise war der Tag in den Bergen erholsam.
Viele Grüße,
Lukas



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