Montag, 4. Oktober 2010

Die Kennenlernphase...

...hat am Donnerstag und Freitag ihren Abschluss gefunden. Wir sind zu zwei Kolpingsfamilien und einer Kolpingjugend gefahren, die etwas weiter weg liegen - in und um die Hauptstadt von Veracruz, Xalapa. Als erstes, am Donnerstag nachmittag, stand die Familie in Rinconada auf dem Programm. Hier durfte ich zum letzten mal in den Genuss des Vortrages über kirchliche Sozialarbeit kommen. Da wir ohnehin schon in den Gemeinderäumlichkeiten waren und es zeitlich gut passte, haben wir gleich danach die Messe besucht. Obwohl der Messablauf fast der gleiche wie in Deutschland war, war die Atmosphäre völlig anders: Die Deckenventilatoren sorgten für ein leichtes Rauschen, Kinder liefen rum, fielen hin, spielten mit einer Rassel und Ähnliches. Die Musik kam nicht von einer Orgel, sondern von einer Gitarre und einem kleinen Chor. Es gab übrigens keine Liederbücher; jeder Chor hat sein eigenes Repertoire und es singt mit wer kann. Der Altersdurchschnitt ist in der Messe war wesentlich niedriger als in Deutschland. Ich habe weniger graue Haare gesehen, dafür aber jede Menge Kleinkinder. Hier ist die Religion für nahezu jeden ein wichtiges Element im Leben und die Bevölkerung ist stark katholisch geprägt. Übrigens gibt es, zum Beispiel hier in Fortín, jeden Tag eine Messe und am Sonntag sogar vier. Da wir am Freitag wieder in der Gegend unterwegs waren, haben wir in einem Hotel in Xalapa geschlafen.



Eine Straße im besagten Viertel


Die Kathedrale von Xalapa
Am Freitag morgen habe ich Lalo dann zu ein paar Terminen begleitet; ich hatte aber auch Zeit mir ein wenig die Stadt anzugucken. Sie ist zweifelsfrei einen Besuch wert, aber hier werden auch stark die Unterschiede zwischen arm und reich deutlich. Die Kathedrale von Xalapa ist beispielsweise an jeder Säule mit einem Flachbildmonitor ausgestattet und macht auch ansonsten einen sehr gepflegten und reichen Eindruck. Die Straßen in einem ärmeren Viertel etwas außerhalb vom Zentrum sind nicht gepflastert und haben haufenweise Löcher. Die Abwässer werden durch offene Kanäle neben der Straße abgeleitet. Man fragt sich: Wird hier Geld an richtiger Stelle ausgegeben? Das war übrigens bei weitem kein Slum, sondern einfach eine Wohngegend von schlechter Verdienenden.



Auf den diversen Autofahrten sind wir immer wieder durch Teile des Gebietes gefahren, in dem der Hurricane Karl vor ein paar Tagen gewütet hat. Die Region hat es zwar nicht ganz so stark getroffen, aber die Spuren sieht man: Seien es die Palmen, deren Blätter entweder weggeweht wurden oder alle in eine Richtung zeigen, das runtergerissene Geländer einer Betonbrücke, die umgefallenen Bäume an einem Flusslauf, der über die Ufer getreten ist oder das gerade fertig gewordene Hotel, dessen Grünanlagen nun braun sind und gleich mit den ersten richtig großen Renovierungsarbeiten angefangen werden darf.



In Xalapa haben wir die älteste Kolpingsfamilie in Veracruz besucht. Sie besteht aus 4 älteren Damen, die enorm gastfreundlich und liebenswert sind. Da die Gruppe aber durch das Alter ihrer Mitglieder nur begrenzte Aktionsmöglichkeiten hat, hat sie leider zurzeit kein festes Projekt.
Anschließend sind wir zu der Kolpingjugend in Mosomboa gefahren. Hier haben wir eine lustige Truppe von 14 Leuten angetroffen, von denen einige das erste mal dabei waren und andere nach einer Pause wieder eingestiegen sind. Nachdem wir (es war inzwischen nach 12) das Angebot eines Kaffees von einer Jugendlichen gerne angenommen haben, sind wir zurückgefahren, um in etwa um halb 4 morgens in Fortín anzukommen. Zum Glück war dann erstmal Wochenende.
Jetzt kenne ich also die 10 aktiven Kolpingsfamilien und 6 Kolpingjugenden. Jede Gruppe ist geprägt durch andere Charaktere, andere finanzielle Umstände, unterschiedliche Projekte, andere Landschaften und unterschiedliche Möglichkeiten und Fähigkeiten. Aber in jeder Gruppe wurde ich fröhlich und gerne willkommen geheißen und es sind Menschen, für die ich gerne arbeite.

Soweit von hier,
Viele Grüße,
Lukas

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